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Die „Rheinwoche“, die legendäre Regatta über Pfingsten auf dem Rhein, fand dieses Jahr zum 92. Mal statt – und dieses mal mit SCU-Beteiligung. Stefan G. Gfrörer und Michael Groß mit ihrer Lis-Jolle „Babelfisch“ nahmen in der Klasse „Yardstick >110“ teil und belegten einen ansehlichen Platz im Mittelfeld.

Freitag vor Pfingsten: In Oberwinter (etwas stromaufwärts von Bonn) treffen nach und nach ca. 120 Segelboote ein. Vom Laser, über Kieljollen und kleinen Yachten bis zu Racern ist alles dabei. Gut wer sein Boot slippen kann und nicht auf den Kran angwiesen ist. So bleibt genug Zeit den Trailer zum Trailerplatz im Zielhafen Duisburg zu bringen und den Shuttle-Bus zurück zu nehmen, um rechtzeitig zu „Regatta-Heiligabend“, der Auftaktveranstaltung am Abend dabei zu sein.

Am Samstag morgen wird’s ernst. Reicht der Wind? Es ist Südost-Wind, also mit der Strömung, da muss schon etwas mehr Wind sein. Nach Startverschiebung geht’s los: Die Babelfisch startet in der siebten Gruppe. Da gilt es das richtige Startsignal abzupassen und –genauso wichtig- nicht vorher über die Startlinie zu treiben, denn bei Wind von knapp 3 Bft lässt sich’s stromaufwärts nicht mehr kreuzen, da rückt die Startlinie schnell gefährlich nahe. Und dann gilt’s nur noch den Rückenwind bei ausgebaumter Fock (ja das ist nach Klassenvorschrift erlaubt) möglichst gut mitzunehmen. Aber nein, da gibt’s ja noch etwas, was beachtet werden muss: Wo ist der beste Strom? Lohnt es sich abzukürzen oder besser den weiten Weg außen rum zu segeln? Und dann kommt da plötzlich so ein großes Berufsschiff, da fahren auf dem Main im Vergleich ja nur Spielzeugboote.

Nach rund 2½ Stunden ist die erste Wettfahrt beendet. Schnell die Hafeneinfahrt finden (bevor einen die Strömung am Mittagessen vorbeitreibt), irgendwo im Päckchen festmachen, im Vorbeigehen die fragenden Gesichter der Steglieger registrieren (weil diese sich wundern, was da plötzlich 120 Segler und ein großes Fahrgastausflugsschiff in ihrem kleinen Hafen machen) und schnell zum Mittagessen auf die begleitende Basisstation „Eureka V“.

Doch zum nächsten Start bleibt doch noch etwas Pause. Wieder eine aufregende Startprozedur, wieder Vorwindkurs. Doch der Wind lässt nach und irgendwann ist er nur noch so schnell wie die Strömung; d.h. schlaffe Segel und kein Segeln mehr. Die begleitende DLRG wird mehrmals benötigt im letzten Moment einen Segler vor dem Bug eines Berufsschiffs wegzuziehen. Kein Wind, Abbruch, schade. Doch Köln-Porz erwartet uns mit einem schönen Hafen, einem tollen Club, tolles Abendprogramm mit Livemusik, Kölsch und natürlich viel Seglerschnack.

Die dritte Wettfahrt am Sonntag Vormittag wird leider erst gar nicht gestartet, aber trotzdem muss der ganze Troß weitergehen. Also mit der Schleppleine winken und sich an ein motorisiertes Boot hängen und sich rheinabwärts schleppen lassen. Wenigstens genug Zeit Köln vom Wasser aus anzuschauen.

Aber aber Nachmittag werden die Segler entschädigt: Von Leverkusen-Hitdorf nach Düsseldorf, 40 Rheinkilometer, endlich Wind aus NW, der durch die Strömung noch scheinbar verstärkt wird. Endlich segeln, endlich am Wind kreuzen, endlich richtig Regatta. Der Start läuft gut, aber was macht plötzlich das Berufsschiff da – und fort ist das Feld. Aber nicht aufgeben, dran bleiben heißt die Devise – auch wenn die Babelfisch-Segler plötzlich recht alleine sind. 400m vornedran das Hauptfeld, 400m hintendran die Nachzügler. Aber langsam kommt der notwendige Rhythmus so zu kreuzen, dass der optimale Kurs alles berücksichtigt: Strömung, flache Uferstellen, Winddreher am Ufer und am wichtigsten: Die Ideallinie um die fahrenden Hindernisse, vulgo: Berufsschiffahrt. Ja! Jetzt durch’s Schraubewasser des Bergfahrers und schon wieder 25m gut gemacht. Und was macht das Hauptfeld da vorne? Es steht (fast). Und wir kommen näher, weil wir noch etwas Wind haben. Aber erst mal werden ein paar BMs und Variantas überholt, die gar nicht zu unserer Gruppe gehören, sondern 5 min. früher gestartet sind. Und als wir wieder dran sind, kommt auch der Wind wieder und weiter geht die Fahrt durch wunderschöne Flußlandschaft, die hier von großen Rheinschleifen (bis 180°) geprägt ist. Nach vier Stunden Segelei auf den letzten Kilometern in wunderschönen sonnendurchflutetenden Nachmittagsstunden durch Düsseldorf geht’s zum altehrwürdigen Düsseldorfer Yachtclub. Jetzt die große Umstellung hinter sich bringen: Von Kölsch auf Alt, was aber nach vier Stunden Powersegeln und vier Stunden Sonne pur nicht allzu schwer fällt.

Am Montag sollte die letzte Wettfahrt nach Duisburg gehen, aber wiederum lässt’s der (mangelnde) Wind nicht zu, also gemütlicher Schlepp und Zeit zum Sightseeing und Sonnenbaden. Segeln wäre uns lieber gewesen. Im Zielhafen dann noch das große Gedränge am Kran hinter sich bringen, Boot verzurren, Sieger beklatschen und dann nach Hause.

Im Gepäck viel Erinnerungen an eine tolle Segel- und Regattaveranstaltung mit viele neuen Eindrücken: eine tolle Segelgemeinschaft, super Organisation, das besondere Segeln auf dem Rhein, die unterschiedlichen Boote (von einem behäbigen „Drascombe Longboat“ bis zu Racern wie „B/one“ oder „Streamline“), die unterschiedlichen Mannschaften (von ambitionierten Regattaseglern über Hobbysegler bis zu Familienmannschaften). Und die Überzeugung dabei: Da muss man dabei gewesen sein; das war nicht das letzte Mal!

Stefan G. Gfrörer