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Am 5./6.Juli wurde zum zehnten Mal der Süllrand-Cup der Varianta65 ausgesegelt. Die Besonderheit dieser Regatta liegt darin, dass hier nur 65er teilnehmen dürfen. Sonst, im Feld der K3 und K4-Variantas geschwindigkeitsmäßig hoffnungslos unterlegen, kämpfen sie tapfer auf den hinteren Rängen. Die besten 65er schaffen es zwar regelmäßig ins Mitteldrittel vorzustoßen, hier ist aber eine konstruktive Schranke gesetzt. Gebraucht werden sie dennoch. Sei es um die Felder ranglistentauglich oder die Rangliste meisterschaftswürdig zu machen. Beim Süllrand können die 65er ungestört ihre Besten ermitteln ohne vom Mittelfeld der K3/K4 gestört zu werden.

Letztes Wochenende war es also wieder so weit. Zwölf Mannschaften hatten gemeldet, acht davon mit realistischen Siegchancen. Einige dieser Teams sind demzufolge auch schon auf dem auszusegelnden Pokal zu finden. Doch der Reihe nach. Graue Regenwolken und teils heftige Böen versprachen einen interessanten Nachmittag. Beide hessischen Teams (Thrun/Banze und Keitz/Keitz) setzten auf die Genua II und lagen damit gar nicht verkehrt. In den ersten beiden Wettfahrten sprangen für Keitz/Keitz zwei zweite Plätz heraus. Ein Sieg ging an Well/Haack von der SVM, der zweite Laufsieg an Korytowski/Demke aus Berlin. Zur dritten Wettfahrt des Tages wechselten wir auf die Genua I und lagen im Prinzip auch damit richtig. Ein Fehler des Steuermannes ( hatte die Signale des Startschiffes als allgemeinen Rückruf interpretiert, war aber keiner) führte dazu, dass wir uns einen vierten Platz einhandelten. Das Abschneiden der beiden o.a. Mannschaften sorgte dafür, dass die ersten drei Mannschaften nur durch einen Punkt getrennt waren.

Das Abendprogramm war, typisch für den Süllrand-Cup, außergewöhnlich. Sonst immer als kulinarische Länderkunde quer durch Europa ausgerichtet, wurde dieses Mal zu einer vierstündigen Straßenbahnfahrt geladen. Die Bahn aus den sechziger Jahren - also aus dem Geburtsjahrzehnt der Varianta - fuhr eine große Schleife von Mannheim über Viernheim, Heidelberg und selbstverständlich zurück nach Mannheim. Müßig zu erwähnen, dass die Bahn mit einer Bar und einem üppigen Buffet ausgestattet war.

Der Sonntag sollte die vierte und entscheidende Wettfahrt bringen. Die Wolken waren verschwunden, der Wind nicht! Bei bestem Segelwetter wurden es spektakuläre drei Runden. Auf dem ersten Vorwindgang konnten wir uns an die Spitze setzen und diese halten bis zur Kreuz der dritten Runde. Hier kämpften sich Well/Haack an uns vorbei, derweilen unsere Berliner Konkurrenten etwas zurückhingen und mit Thrun/Banze im Clinch lagen. Kurz vor der Ansteuerung der letzten Leetonne hingen wir direkt im Heck von Well/Haack, denen im Eifer des Gefechtes dann prompt eine Tonnenberührung unterlief. Obwohl wir nahe dran waren konnten wir das nicht erkennen, andere Boot die einen besseren Blickwinkel gehabt hätten waren auch nicht in der Nähe. Dennoch haben sie auch ohne Zuruf sofort gekringelt und den fast sicheren Gesamtsieg damit aus der Hand gegeben. Für uns war nun der Weg zum Laufsieg frei, für das Gesamtergebnis musste hinter uns dann einiges passieren, was nicht mehr in unserer Hand lag. Und es passierte. Claudia Thrun hatte einen Supertag erwischt und sich auf Platz zwei geschoben. Jetzt kam es nur noch auf die Einlaufreihenfolge von Korytowski/Demke und Well/Haack an. Im Photofinish entschieden Well/Haack diese Duell für sich und sorgten dadurch bei den Berlinern für den „Extrapunkt“, der uns den Gesamtsieg bescheren sollte.

Fazit: Je enger es zugeht umso deutlicher steigt der Spaßfaktor, je fairer es zugeht umso zufriedenstellender für alle Teilnehmer. Auch Andreas Well, mit dem ich beim Zusammenpacken nochmal gequatscht habe, war eher noch begeistert von den unglaublichen Wettfahrten, als dass er dem Gesamtsieg nachgetrauert hätte. Wir würden es ihm gönnen beim elften Süllrand-Cup, was nicht heißt, dass wir absichtlich langsam fahren werden….

Nicolas Keitz

(© Photos by greenyoghurt photograpy)